Euthymios von Tarnowo

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Reliquienschrein des hl. Euthymios von Tarnowo

Gedächtnis: 20. Januar und 22. Oktober (Verherrlichung der Reliquien)

Der heilige Euthymios von Tarnowo wurde zwischen 1325 und 1330 in Tarnowo, der damaligen Hauptstadt des Bulgarischen Reiches, geboren. Er entstammte einer angesehenen Familie und erhielt eine für seine Zeit hervorragende Bildung. Schon in jungen Jahren wandte er sich dem monastischen Leben zu und wurde Mönch. Um 1350 schloss er sich dem heiligen Theodosios von Tarnowo im Kloster Kilifarevo an, das sich zu einem bedeutenden Zentrum des Hesychasmus und des geistlichen Lebens in Bulgarien entwickelt hatte. Unter dessen Führung wurde Euthymios im Gebet und im asketischen Leben unterwiesen und gehörte bald zu dessen engsten Schülern.

Im Jahr 1363 begleitete Euthymios seinen geistlichen Vater nach Konstantinopel. Nach dem Entschlafen des heiligen Theodosios hielt er sich dort noch einige Zeit auf und begab sich später auf den Heiligen Berg Athos. Er lebte zunächst in der Großen Lavra des heiligen Athanasios und danach im bulgarischen Kloster Zographou. Diese Jahre vertieften seine Kenntnis der griechischen theologischen und liturgischen Überlieferung und prägten sein späteres Wirken als Übersetzer und Schriftsteller.

Um 1371 kehrte Euthymios nach Bulgarien zurück und gründete unweit von Tarnowo ein der Heiligen Dreiheit geweihtes Kloster. Um ihn sammelte sich eine Gemeinschaft von Schülern, und das Kloster entwickelte sich zu einem bedeutenden geistlichen und literarischen Zentrum. Euthymios widmete sich dort besonders der Übersetzung und Überarbeitung kirchlicher Bücher. Er verglich die vorhandenen slawischen Texte sorgfältig mit ihren griechischen Vorlagen und bemühte sich um eine genaue Wiedergabe ihres theologischen Sinnes sowie um eine einheitliche kirchenslawische Rechtschreibung und Sprache. Aus seinem Wirken und dem seiner Schüler entwickelte sich die Tarnowoer Literaturschule, deren Einfluss weit über Bulgarien hinausreichte und sich auch in Serbien, der Walachei, der Moldau und der Rus bemerkbar machte.

Nach dem Tod des Patriarchen Ioannikios wurde Euthymios im Jahr 1375 zum Patriarchen von Tarnowo gewählt. Auch als Patriarch setzte er seine umfangreiche schriftstellerische und übersetzerische Tätigkeit fort. Er verfasste Heiligenviten, Lobreden, Sendschreiben und andere kirchliche Werke und trat entschieden für die Bewahrung des orthodoxen Glaubens ein. Zu den Heiligen, deren Leben er beschrieb, gehören Johannes von Rila, Hilarion von Moglena, Paraskeva von Epivates und Philothea. Zugleich stand er mit bedeutenden kirchlichen Persönlichkeiten seiner Zeit in Verbindung. Zu ihnen gehörte auch Nikodim von Tismana, mit dem er in theologischen Fragen in Verbindung stand.

Als Tarnowo im Jahr 1393 von den Osmanen belagert wurde, befand sich Zar Ivan Schischman außerhalb der Hauptstadt. Euthymios wurde dadurch zur wichtigsten geistlichen Autorität der eingeschlossenen Bevölkerung. Nach mehrmonatiger Belagerung fiel Tarnowo am 17. Juli 1393. Der heilige Euthymios blieb bei seiner Herde und bemühte sich, die bedrängten Christen zu stärken.

Nach der Überlieferung seines Schülers und Biographen Gregorios Tsamblak wurden zahlreiche angesehene Einwohner Tarnowos getötet. Auch Euthymios sollte hingerichtet werden. Als der Henker jedoch das Schwert gegen ihn erhob, erstarrte dessen Hand, sodass der Patriarch verschont blieb. Schließlich wurde Euthymios aus Tarnowo verbannt. Der Abschied des Patriarchen von seiner Herde wurde von Gregorios Tsamblak als ein von großer Trauer erfülltes Ereignis beschrieben.

Als Ort seiner Verbannung gilt nach der kirchlichen Überlieferung das Kloster Bačkovo. Dort verbrachte der heilige Euthymios seine letzten Lebensjahre im Gebet und im monastischen Leben. Das genaue Datum seines Entschlafens ist nicht zweifelsfrei überliefert. Nach der heute vom Bulgarischen Patriarchat vertretenen Überlieferung entschlief er wahrscheinlich im Jahr 1404.

Der heilige Euthymios zählt zu den bedeutendsten Hierarchen und geistlichen Schriftstellern der mittelalterlichen Bulgarischen Kirche. Seine Sorge um die Genauigkeit der kirchlichen Texte und die von ihm begründete literarische Tradition übten nachhaltigen Einfluss auf die orthodoxen slawischen Kirchen aus. Zugleich blieb er im Gedächtnis der Kirche als Hirte bewahrt, der seine Herde während des Untergangs des mittelalterlichen bulgarischen Reiches nicht verließ und Verbannung und Leiden auf sich nahm.

Am 22. Oktober 2023 verherrlichte die Bulgarische Orthodoxe Kirche feierlich die bereits 1905 im Kloster Bačkovo aufgefundenen Reliquien des heiligen Euthymios und bestätigte damit kirchlich ihre Echtheit. Zugleich wurde der 22. Oktober als jährliches Gedächtnis der Verherrlichung seiner heiligen Reliquien in den Kirchenkalender aufgenommen.

Quelle: Bulgarisches Patriarchat, Vita des heiligen Euthymios von Tarnowo

Gebete

Troparion (4. Ton)

Durch asketischen Kampf bist du erstrahlt und würdig auf den Thron des Ersthierarchen emporgestiegen; von dort hast du alle mit den Strahlen der Gotteserkenntnis und der Tugend erleuchtet und den Kelch des unblutigen Martyriums getrunken. Nun aber stehst du vor dem Thron im himmlischen Jerusalem, Euthymios; bitte Christus, unseren Gott, der auf ihm thront, für alle, die dein ehrwürdiges Gedächtnis ehren.

Kondakion (8. Ton)

Als Sieger im unsichtbaren Kampf hast du aus der Hand des Höchsten den Kranz empfangen, Euthymios, unser ehrwürdiger Vater; auch im Kampf gegen die Gottlosen bliebst du unbesiegt und hast deinen Lohn in den himmlischen Wohnungen vermehrt. Darum singen wir dir: Freue dich, unblutiger Dulder des bulgarischen Landes.